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 Gruppenpädagogik

Geschlechtsspezifische Jugendarbeit

Ziel:

Das Ziel einer geschlechtsspezifischen Jugendarbeit kann nicht die Trennung der Geschlechter sein. Genauso wie die Gesellschaft nicht hinter die Errungenschaften der Koedukation (engl. von education, gemischtgeschlechtlichen Schulklassen. Ziel: Beide Geschlechter sollen eine bestmöglichen Förderung bekommen. Aus heutiger Sicht müssen die Mädchen in vielen Bereichen mehr als die Jungen gefördert werden!) zurückkönnen. Auch für die Jugendarbeit muß eine möglichst beste "Förderung" beider Geschlechter angestrebt werden. Gemischtgeschlechtliche Jugendgruppen sollen attraktive Angebote für Mädchen und Jungen haben. Das gemeinsames Tun ist wichtig, es darf aber nicht auf Kosten eines Geschlechtes durchgesetzt werden. Eine gute Absprache in einem gemischtem Team ist wichtig. In einigen Programmpunkten kann es auch nötig werden, gleichgeschlechtliche Kleingruppen einzurichten, damit ein Geschlecht speziell "gefördert" werden kann (z.B. Gesprächsgruppen über Freundschaft o.ä.). Ferner ist es die Aufgabe einer/s guten MitarbeiterIn, Probleme z.B. im Gesprächsverhalten innerhalb gemischtgeschlechtlicher Gruppen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Literatur dazu: Nancy Chodrow, Carol Gilligan
Ihnen ging es um die Klärung der Ethik/Moral der Frau und des Mannes. Deshalb haben sie Untersuchungen über das Spiel- und Gruppenverhalten von Jungen und Mädchen angestellt. Diese Untersuchungen und Ergebnisse können nur tendenzielle Richtungen angeben.

Problem: Der Weg zum Ziel

Die wissenschaftlichen Forschung der geschlechtspezifischen Pädagogik ist sehr neu, es gibt wenige Fallstudien und wenige wirklich gute und richtige Ideen und Konzepte.
Grundsätzliches: Die Einteilung in Geschlechter ist der einschneidenste gesellschaftliche Unterschied der Menschen. (Dagegen z.B. das Alter: Es gibt Menschen, die mit 40 noch so agil sind wie mit 25, oder andere, die mit 30 schon wie 45 wirken. Jeder Mensch hat beim Alter in gewisser Weise die Möglichkeit, es sich nach seinen Wünschen anzupassen). Aber beim Geschlecht ist das noch nicht so möglich. Heute kann nur in "Randgruppen" der Gesellschaft, in der Bisexualität oder Homosexualität ein Geschlechterwechsel erkannt werden. Somit muß sich jeder Mensch mit seinem Geschlecht und seiner Rolle in der Gesellschaft auffinden. Dieser Prozeß dauert sehr lange, die Forschung meint dazu, daß der Prozeß der Identifikation mit dem eigenen Geschlecht teilweise auch noch nicht mit 25 Lebensjahren abgeschlossen ist.
Für die Jugendarbeit stellt sich somit folgende Problematik: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich mit der Problematik vertraut machen, und ihre eigene, gefestigete Position zu ihrer Geschlechtsrolle haben (oder in der Vorbereitungsphase finden). Nur so ist es möglich, über die Geschlechterrolle kritisch nachzudenken, ohne das sich immer irgendeiner "auf den Slips, ähm Rock (und hier beginnt schon die Rollenzuweisung der Geschlechter in der Sprache...) getreten fühlt". Erst nach diesem Entwicklungsschritt kann die Mitarbeiterin und der Mitarbeit eine Gruppenstunde über dieses Thema anleiten.

Der Programmablauf:

  1. Die MitarbeiterInnen müssen vor dem Kurs die Problematik kennen und Positionen beziehen. (Besser für die Gruppe).
     
  2. Aufteilung in gleichgeschlechtliche Gruppen mit Diskussion über Mädchen- und Jungenrollen, Gesprächsbeiträge von Jungen und Mädchen in gemischt oder gleichgeschlechtlichen Gruppen usw. (je nach Mitarbeiter-"Position" und -"Entwicklung" kann es gleich- oder gemischtgeschlechtliche Gruppen (Teamer - Teilnehmer oder Teamer - Teilnehmerinnen) geben. In einer "gemischtgeschlechtlichen" Gruppe muß die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter die Gegenposition seines Geschlechtes erklären und für Standpunkte und Diskussionen offenstehen.
     
  3. Danach "Showteil", vielleicht mit Technik (Video), Rollenspiele mit klassischen Szenen, aber kurz! Ziel: Jungen und Mädchen können nicht, auch wenn sie wollen, aus ihren Rollen radikal hinaus.
     

Die Positionen:

Mädchen

Ihre traditionellen Spiele sind kooperativ sturkturiert, so daß der Erfolg der einen Mitspielerin nicht unbedingt den Mißerfolg der anderen bedeutet. Es sind kein hierarchischen Spiele, es gibt keine Anführerinnen. Ausnahmen sind z.B. Vater-Mutter-Kind-Spiele, aber die domiante Rolle wird immer gewechselt. Mädchen mögen keine Spiele, bei denen es echte Gewinner und echte Verlierer gibt. Mädchen spielen meist in Paaren oder kleineren Gruppen. Im Mittelpunkt der Spiele steht ein gemeinsames Tun. Mädchen definieren sich über Nähe zu anderen ("andere nach dem Weg fragen").
Gruppenstunde: Mädchen akzeptieren eher ruhiger Gruppenstundeninhalte, z.B. Basteln.
Sprache: Die Sprache der Mädchen sind dialogisch orientiert ("laßt uns", "wollen wir nicht"), dies bedeutet, daß ein gemeinsamer Beschluß angestrebt wird, es ist ein Versuch Kompromisse zu finden. Verbale Ausfälle kommen bei Mädchen kaum vor, da diese meist auf Kosten von anderen gemacht werden, und somit das Gemeinschaftsverhältnis stören.
Mädchenfreundschaften: Mädchenbeziehungen gründen sich sehr viel mehr als bei Jungen auf Gespräche. Sie haben keine Probleme, über sich selbst, ihre Freunde und Freundinnen und ihre Beziehungen zu sprechen. In Gesprächen werden von den Zuhörerinnen Parallelgeschichten erzählt, um eine Nähe zum Erzählten zu erzeugen.

Problem: Mädchenbeziehungen gründen auf Übereinstimmung und Gemeinsamkeit. Dieses Gleichheitsprinzip bringt dann Probleme mit sich, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Mädchen können weder Dominanz noch Agressivität einsetzen, weil sie dadurch das Gleichheitsprinzip untereinander gefährdet. (Keine will Oberlehrerinnenhaft wirken, keine will die Gemeinschaft zerstören, jede will die Gruppe erhalten). Somit lernen Mädchen, Gruppen zu steuern, ohne dominant zu sein, auf andere Meinungen einzugehen und auf Aggressivität und Gemeinheiten zu vermeiden. Falls es einmal zu einer wirklich ersten Auseinandersetzung kommt, können Mädchen eine Freundschaft ganz abbrechen, sie gehen dann über Monate oder Jahre der Gegnerin aus dem Weg. ("Zickig", Mädchen wollen dann auf gar keinen Fall mehr miteinander sprechen, sie wirken (auf Jungen und Männer) zickig).

Jungen Jungen spielen eher in größeren, hierarchisch orientieren Gruppen. Es gibt meist einen dominanten Anführer. Die Jungen die lassen sich untereinander ihre Unterlegenheit spüren. Die Hierarchie kann sich auch verändern (z.B. in Spielen, in verschiedenen Rollen z.B. als Clown). Somit lehrt jeder Junge mit herber Kritik umzugehen. Jungen lernen, sich in dieser Struktur in den Mittelpunkt zu stellen. Sie gehen dadurch nicht unter. Sie lernen, sich mit Sprache in den Mittelpunkt zu stellen (Gags, Geschichten erzählen usw.). In der Regel wissen Jungen genau, wie sie sich in der Sprecher bzw. Zuhörerrolle zu verhalten haben. Das "Publikum" verhält sich nicht wie bei den Mädchen aufmerksam unterstützend, sondern der Junge, der gerade im Mittelpunkt steht, wird verulkt und zum Gegenstand von Witzen gemacht. Jungen lernen also spielerisch sich gegen ein rituell rivalisierendes Publikum durchzusetzen und mit herber Kritik umzugehen. Die Jungen wissen, daß die Kommentare aus dem Publikum (z.B. auf ein Stichwort "dick" kommt aus dem Publikum "selber fett"), nicht vordergründig auf sie selbst gerichtet sind, sondern eher um den Zwischenrufer selbst in den Mittelpunkt des Geschehen zu stellen.
Bei Jungen geht es "heftiger" zu. Streitereien sind für Jungen teilweise sogar eine Form der Kontaktaufnahme, verbale Ausfälle werden in Jungengruppe als normal angesehen. Jugend versuchen ständig ihre Hierarchiestufe durch Streitereien auszuloten. Jungen scheuen sich nicht davor, Befehle zu geben ("Wir spielen jetzt das!").
Sportliche Jungen stehen in der Regel in der Hierarchie oben, unsportliche, unattraktivere Jungen werden meist auf die hinteren Plätze verwiesen, was stark an dem Selbstbewußtsein der Jungen kratzen kann.
Sprachverhalten: Verbale Ausfälle sind innerhalb von Jungengruppen normal. Themen, über die mit Mädchen einfach zu diskutieren ist (z.B. Glaube, Liebe, Freundschaft) sind Jungen eher peinlich. Ihre Verletzlichkeit kann dabei offen zu Tage treten, und es besteht für ihre Prägung die Gefahr, daß dies von den anderen Jungen für Rangstreitigkeiten ausgenutzt werden kann (Gegensatz bei den Mädchen: Definition über Nähe). Jungen untereinander reden normalerweise nicht über Emotionales, Gefühle, Persönliches, eben weil sie dadurch angreifbar werden.
Probleme: Das Schweigen über die eigenen Probleme ist das Defizit der Jungen. Probleme werden nicht so offen wie in Mädchenfreundschaften diskutiert. Es gibt auch keine engen Jungenfreundschaft wie bei Mädchen.

Allgemeine Probleme: In Rollenspielen und Theaterstücken werden Jungen, die "schwache" Rollen spielen, oft kritisiert. Sie spielen die Rolle entweder 1. nicht überzeugend oder 2. wenn sie die Rolle gut spielen, werden sie trotzdem nicht als gute Schauspieler angesehen. Im ersten Fall kann der Schauspieler selbst nicht aus seiner "starken" Mannrolle austreten, er kann somit nicht den Schwachen überzeugend spielen. Im zweiten Fall spielt der Schauspieler zwar gut, aber die Zuschauer können mit der Leistung nicht richtig umgehen. Sie erwarten einen "starken" Mann, sie bekommen ihn nicht und kritisieren den Schauspieler. Ebenso verhält es sich mit einer starken weiblichen Schauspielerrolle. Die Schauspielerin kann entweder sie Rolle nicht erfüllen oder wird vom Publikum nicht anerkannt. Lösung darf aber nicht sein, alle schwachen Rollen mit Mädchen zu besetzen, alle starken mit Jungen. Vielleicht ist zu überlegen, ein Rollenspiel mal nur mit Mädchen oder nur mit Jungen zu spielen, oder als Publikum nur Mädchen oder Jungen zuzulassen (Aber Negativbeispiel: Die Show "Mann o Mann").
Folgerung: Jungen und Mädchen, Frauen und Männer können nicht einfach aus der gesellschaftlichen Rolle radikal ausbrechen. Wenn sie es tun, kommt es zu Problemsituationen, die auch in einer Jugendgruppe auftreten können.

Prägung: Zum einen durch die Eltern und Erwachsenen, aber zu größeren Teil spielen Jungen und Mädchen in der Zeit zwischen dem fünften und fünfzehnten Lebensjahr (in der Hauptsozialisationsphase) fast ausschließlich in reinen Jungen- bzw. Mädchengruppen. Somit bringen die Jungen und Mädchen sich selbst ihre spätere Rolle und Sozialisation bei. Jungen und Mädchen kopieren von den Eltern und setzen dies in Extremform in ihren Gruppen ein.

Programmablauf

Fragebogen am Vortag verteilen!

17.00 Uhr Plenum (ca. 10 min): Einstieg: "Die Geschichte von Peter, der ein richtiger Junge sein wollte"

Kleingruppen: (insgesamt zwei Stunden, eine Stunde vor dem Abendessen): Aufteilung: eine Jungengruppe, eine Mädchengruppe, eine gemischte Gruppe. 1. Diskussion über die Ergebnisse des ersten Fragebogens. Weitere Möglichkeiten (falls die Diskussion stockt): Diskussion über das Thema mit dem Fragebogen 2. Weitere Möglichkeit: Diskussion über den Satz: "Männer denken logisch, Frauen denken folgerichtig!"

21.00 Uhr Plenum (ca. 1 Stunde) Vorstellung der Ergebnisse, danach ein "Versteigerungsspiel".

Ich bin: Junge Mädchen
Was ist ... ... eher männlich ... eher weiblich
Schmusen    
Durchsetzungsfähigkeit    
Sturheit    
Streiten    
Jammern    
Lange schlafen    
Telefonieren    
Sport treiben    
Sich entschuldigen    
Über Sex reden    
Auto fahren    
Sich selbst befriedigen    
Sich schön machen    
Spazieren gehen    
Hart arbeiten    
Angst haben    
Mutig sein    
Sportlich sein    
Lieb sein    
Brav sein    
Hilfsbereit sein    
Nett sein    
Gewalttätig sein    
Brutal sein    
Fußball    
Eifersucht    
Seitensprung    
Porno    
Romantik    
Hysterie    
Nachtragend sein    
Berechnend sein    
Logisches Denken    
Konsum    
Verantwortung    
One-night-stand    
Kalt sein    
Pünktlichkeit    
Vergesslichkeit    
Ordnung    
Folgerichtiges Denken    


Ich bin: !raw [html] [ ]) männlich weiblich
Mein Alter:    
  ja nein
Der Frau ist ihre Familie wichtiger als ihr Beruf.    
Dem Mann fällt es schwer, treu zu sein.    
Der Mann ist hart im Nehmen.    
Für die Frau ist Zärtlichkeit das Wichtigste, nicht der Geschlechtsverkehr.    
Die Frau denkt mit dem Herzen.    
Der Mann muß an seine Karriere denken.    
Die Frau hat keinen technischen Verstand.    
Die Frau ist von Natur aus lieb, sanft und verständnisvoll.    
Der Mann hat einen starken Geschlechtstrieb.    
Der Mann handelt überlegt und planvoll.    
Der Mann weint nicht.    
Nur die Frau ist von Natur aus treu.    
Der Mann muß nicht schön sein.    
Der Mann trägt die Verantwortung für die Familie.    

Copyright © Klaus Vogler
Letzte Aktualisierung am 25. November 2004
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