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   Materialsammlung für Gruppenleitergrundkurse
 Rechtsfragen

Rechtsfragen allgemein

Block I, Rechtfragen Einleitung, ca. 1 Stunde.

Anspiel Rechtsfragen: "Das Märchen vom Staat und den Gesetzen". Das Anspiel wird mit der gesamten Gruppe veranstaltet. Die Teilnehmer erhalten im Verlauf des Anspiels Rollen (z.B. Das Gesetz "Recht und Pflicht der Erziehung" oder "Bürger") und müssen im Spielverlauf kleiner Aktionen spielen (z.B. die "bissigen" Gesetze).

Am Anfang war der Staat. (Musik Carmina Burana) Er war alles. Er ist alles. Und er wird immer alles sein.

Aber der Staat muß sich zuerst sein Staatswesens aufbauen:
D.h. er kauft sich etwas Land und zieht eine Grenze. Die Bundesrepublik Deutschland entsteht (Musik Deutschlandhymne).

Aber was ist Deutschland ohne Gesetze - nicht Deutschland.
Deshalb erschafft der Staat Gesetze (Musik: Yello).

Der Staat erschafft die gesetzliche Aufsichtspflicht.
Sie enthält vier Teile:

  1. Das Recht und die Pflicht der Pflege.
  2. Recht und Pflicht der Erziehung.
  3. Recht und Pflicht der Beaufsichtigung.
  4. Recht und Pflicht zur Aufenthaltsbestimmung.

Außerdem sichert sich der Staat ab. Er führt die

  • zivilrechtliche und die
  • strafrechtlich Haftung,

falls etwas nicht so funktioniert, wie sich der Staat das vorgestellt hat. (Musik: Orgel, Tod)

So nun hat der Staat viele Gesetze, nun erschafft er Bürgerinnen und Bürger. (Musik -> Baugeräusche oder blubbern .... (Yello))

Die Bürgerinnen und Bürger treffen nun aufeinander.
Nun erschaffen die Bürger weitere kleine Bürger. (Musik: In the summertime). Sie werden Kinder genannt.

Dem Staat gefällt das gar nicht. (Musik: Orgel)

Er wollte doch selbst die Bürgerinnen und Bürger erschaffen.
Er ist sauer, und gibt die Gesetze an die Eltern ab.
Eltern, so nennt er die Bürgerinnen und Bürger, die Kinder haben.
Somit geht die gesetzliche Aufsichtspflicht, die vier Teile (Musik: Yello) enthält an die Eltern über:

  1. Das Recht und die Pflicht der Pflege.
  2. Recht und Pflicht der Erziehung.
  3. Recht und Pflicht der Beaufsichtigung.
  4. Recht und Pflicht zur Aufenthaltsbestimmung an die Eltern über.

Zur Sicherheit, falls sie oder das Kind etwas falsches tut, wird auch gleich

  • die zivilrechtliche und
  • die strafrechtliche Haftung

mitgeschickt. (Musik: Orgel)

Der Staat ist immer noch böse.
Er schafft noch weitere Gesetze. (Musik: Yello)
Sie gelten immer und überall.

  • Z.B., aufgrund der schlechten Erfahrungen bei den Eltern, das Sexualstrafrecht.
  • Oder das Jugendschutzgesetz.
  • Aber auch gegen fahrlässige Tötung und Körperverletzung.
  • Freiheitsberaubung.
  • Kindesraub.
  • Waffenbesitz.
  • Der Staat regelt das Recht der Notwehr.
  • Den Straßenverkehr.
  • Das Trampen.
  • Das Baden.
  • Die Hygiene.
  • Die Gesundheit.
  • Das Briefgeheimnis.
  • Die Hilfspflicht.
  • Den Sachschutz.

Der Staat gibt allgemeine Bestimmungen aus:

  • z.B. das Urhebergesetz.
  • Die Gema.
  • Das Pressegesetz.
  • Zum Schluß erschafft ein Versicherungsgesetz. (Musik: Orgel)

So, alle diese Gesetze sind bissig.
Sie treten immer in Rudeln auf.
Jeder sollte sich in Acht nehmen!
Der Staat ist nun frei von seinen Gesetzen.
Die Eltern und die sonstigen Bürger müssen sich vor den Gesetzen in acht nehmen. Es vergehen einige Jahre, es gibt nun viele Eltern und viele Kinder.

Nun entsteht eine merkwürdige Minderheit. (Clowns)
Der/die GruppenleiterIn.
Er oder Sie hat einen Gruppenleitergrundkurs besucht.
Er/sie leitert nun eine Gruppen von "Kindern".

Es gibt aber ein Problem.
Immer, wenn ein Kind die Gruppe geht, zieht es ein Rudel Gesetze hinter sich her.
Einige Gesetze verlassen die Eltern und kommen automatisch zum Gruppenleiter. (Musik: Yello)

Z.B.: Das Recht und die Pflicht der Beaufsichtigung.
Aber nur bei den Kindern und Jugendlichen, die unter 18 Jahre sind. Und zusätzlich auch die zivilrechtliche und die strafrechtliche Haftung.
Andere Gesetze bleibt immer bei den Eltern! (Erziehung)

Der Gruppenleiter muß nun damit klarkommen. (Musik: Always look on the bright side of life)
Bei der Aufsichtspflicht muß er/sie:

  1. Belehren und Warnen.
  2. Überwachen.
  3. Verwarnungen aussprechen

Falls etwas schiefläuft, beißt die Haftung zu. (Musik: Hamburg Mannheimer...)
Damit die Haftung nicht zu gefährlich wird, haben die Gesellschaften, in denen die GruppenleiterInnen tätig sind (Kirche), Versicherungen abgeschlossen.

Es gibt ein Versicherungsgesetz.
Kommt es nun zu einem Haftungsfall, beißt die Haftung die Versicherung. Dafür ist sie da.
Die Versicherung fragt aber den/die GruppenleiterIn:
Hast Du dich an die vielen Gesetze gehalten?

Falls nicht, bekommt der/die GruppenleiterIn es mit der Versicherung zu tun. (Musik: Orgel)
Also Versicherung beißt Gruppenleiter.
Ach übrigens, die Versicherung unterscheidet nicht, ob ein/e TeilnehmerIn über oder unter 18 Jahre ist. Wenn ein über 18. Jähriger, Mist in der Gruppe baut, wird der/die GruppenleiterIn "gebissen". (Musik: Lied: "Wir brauchen Mut")

So weit mal vorläufig der Text des Anspiels. Ich hoffe, die Spielsituation ist vorstellbar (eventuell werden alle Teilnehmer eingebunden, indem sie die vielen keinen Gesetze spielen müssen, so als Hundemeute). Andere Musiktitel sind auch möglich, z.B. auch "das gibst doch gar nicht", oder irgendetwas anders aus der "Deutsch-Rap- Bereich" oder z.B. TicTac... "Leck mich am A...".

Grundsätzliches: In dem Programmpunkt "Rechtsfragen" geht es nur um die rechtliche Seite der Jugendarbeit. Pädagogische Probleme und Anweisungen werden hier nicht behandelt. Für die Entscheidung von Rechtsfragen ist 1. der "gesunde" (!) Menschenverstand und 2. die Kenntnis der Gesetzeslage wichtig.

Drei Grundregeln

  1. Gefahren erkennen.
  2. Gefahren durch Verbote, Weisung etc. "entschärfen".
  3. Verbote, Weisung kontrollieren, ggf. geeignete Strafen erteilen.

Block II, Kleingruppenarbeit, ca. 2 Stunden. Einteilung in Gruppen, Arbeitsanweisungen austeilen, Hefte austeilen, Einzel- und Kleingruppenarbeit.

Hefte: Was man nicht nur vor Fahrt- und Lagerbeginn wissen sollte ... - Rechtliche Hinweise für Jugendgruppeleiter und Jugendgruppenleiterinnen und solche, die es werden wollen

Landesjugendring Niedersachsen e.V.
Maschstraße 24
30169 Hannover
Tel: 0511-805055
Fax: 0511-805057

Kosten: -,80 DM + Zustellgebühr

Arbeitsanweisung:

  1. Einzelarbeit: Jeder liest das Heft "Was man nicht nur vor Fahrt-und Lagerbeginn wissen sollte..." vollständig durch. Falls Ihr Fragen habt, schreibt sie bitte mit Bleistift an den Rand. (Zeit: etwa 40 Minuten).
  2. Kleingruppenarbeit: Diskutiert über Eure Fragen in der Kleingruppe. (Zeit: etwa 15 Minuten). Notiert ungelöste Fragen, damit Ihr sie in der Gesamtgruppe stellen könnt.
  3. Kleingruppenarbeit: Lösung eines "Fallbeispiels".
    Eure Kleingruppe hat ein Fallbespiel bekommen.
    • Was geschieht in diesem Fallbeispiel?
    • Welche Probleme werden in diesem Fallbeispiel benannt?
    • Welche Antworten oder Hilfen bietet das Rechtsfragenheft?
  4. Kleingruppenarbeit: Erstellt zum Fallbeispiel ein Rollenspiel.
  5. Gesamtgruppe:
    • Stellt Euer Rollenspiel vor.
    • Beantwortet Fragen aus der Gesamtgruppe zu Eurem Fallbeispiel.
Fall 1 Ort: Zeltlager in Südfrankreich. Der Leiter muß dringend in die Stadt. Alle Teamer sind mit den Kanus unterwegs. Der Leiter ruft beim Wegfahren mit dem Bulli noch zu Fritz, 16 Jahre, der sowieso im Lager bleibt, da er ein gebrochenes Bein hat, ihn mal eben zu vertreten. Fritz freut sich über die besondere Aufgabe.
Nach einer kurzen Zeit endeckt Fritz, daß ein Gruppe angetrunkener Jugendlicher, die nicht zum Camp gehören, ins Zeltlager kommen ...
 
Fall 2 Ort: Michelstadt. Der Leiter verbietet den Teilnehmer, den nahegelegenen Steinbruch zu betreten. Fünf zwölfjährige Jungen oder Mädchen sind neugierig geworden, und... Am Abend stellt der Leiter erschocken fest, daß einige Teilnehmer aus der Gruppe nicht beim Abendbrot erschienen sind. Auch die Teamer können sich nicht die Abwesenheit der Teilnehmer erklären...
 
Fall 3 Männlicher Leiter betritt um 1:00 Uhr ein Mädchenzimmer und legt sich in das freie Bett von Susanne, 15 Jahre, weil sie in seinem Bett eingeschlafen ist...
 
Fall 4 Ort: Zeltlager auf Korsika. Peter, 15 Jahre, stinkt, gibt Widerworte und hält sich nicht an die Weisung der Leitung. Der Leiter bindet Peter an einen Baum und reinigt ihn mit einem kalten Wasserstrahl.
 
Fall 5 Ort: Zeltlager Haselünne. Ein Teamer kauft für die Freizeitküche im Supermarkt ein. Vor ihm an der Kasse stehen einige Teilnehmer (15 Jahre), die größere Mengen an Bier und Wein einkaufen. Beim Beladen des Bullis fragen die Teilnehmer, ob er noch einige Taschen ins Camp mitnehmen könnte ...
 
Fall 6 Ort: Freizeit in Österreich. Auf einem Jungenzimmer treffen sich nach der offiziellen Nachtruhe mehrere Teilnehmer. Jochen, 14 Jahre, begeistert alle Teilnehmer mit seiner ausführlichen Pornosammlung ...
 

Block III, Plenum, Ergebnisse vorstellen und vervollständigen, ca. 2 Stunden.

Allgemein:

Rechtsfragen allgemein und pädagogische Kniffe.
Für die Entscheidung von Rechtsfragen ist 1. der gesunde (!) Menschenverstand und 2. die Kenntnis der Gesetzeslage wichtig. Um die Gesetzeslage zu begreifen ist es notwendig, das Informationsheft "Was man nicht nur vor Fahrt- und Lagerbeginn wissen sollte ..." genau zu erarbeiten. Darüber hinaus noch zusätzliche Informationen und "pädagogische Kniffe".

Grundsätzlich: Ein Teamer muß Gefahren erkennen. Danach: Die drei Grundregeln:

  1. Gefahren durch Verbote, Weisung etc. "entschärfen".
  2. Einhaltungen, Weisung kontrollieren.
  3. Bei Überschreitungen müssen geeignete Verwarungen erteilt werden.

Zu "Grundsätzlich": Eine Jugendgruppenleiterin, ein Jugendgruppenleiter muß örtliche ("sachliche") Gefahren (Steinbrüche, gefährliche Badeplätze, Stolperfallen etc.), gruppenpädagogische Problemfälle (Streit innerhalb der Gruppe, außerhalb der Gruppe) und einzelpädagogische "Problemfälle" (Streit, ausgehend von einem Einzelnen, oder auch umgekehrt, "intensivere Liebesbeziehung" von zwei Gruppenmitgliedern) erkennen. Wichtig für dieses Erkennen ist ein reger Austausch im Team, also gute Vor- und Nachbereitung der Gruppenstunden.
Zu 1.: Nachdem das Team die "Gefahren" erkannt hat, muß es geeignete Gegenmaßnahmen einleiten. Diese können z.B. bei den örtlichen Gefahren durch Verbote erzielt werden. Bei den menschlichen "Konfliktfällen" sind die rechtliche Grundlagen einzuhalten (Jugendschutzgesetz usw.), sie sind in geeigneter Form umzusetzen.
Zu 2.: Diese Anweisungen müssen kontrolliert werden. Es reicht nicht aus, ein Verbot zum Aufsuchen des Steinbruches auszusprechen, der/die GruppenleiterIn muß sich davon überzeugen, daß die TeilnehmerInnen nicht dort sind. Ähnlich natürlich auch z.B. bei der Nachruhe in getrennten Schlafräumen.
Hierbei gibt es aber auch eine Verhältnismäßigkeit. Ein Team muß die Gruppe und alle TeilnehmerInnen kennen, das Team sollte erkennen können, welche TeilnehmerInnen "Probleme" machen könnten. Das "Kontrollprogramm" ist darauf abzustimmen. Falls ein Team eine Gruppe gut kennt, ein Verbot ausspricht, es mehrmals kontrolliert, es dabei zu keinen Verstößen kommt, kann das "Kontrollprogramm" "heruntergefahren" werden. Wichtig ist, daß die TeilnehmerInnen bezeugen können, daß das Team die Gefahr erkannt hat, mehrmals kontrolliert hat und es keine Anzeichen zum Verstoß gegeben hat. (Ein Team kann nicht jede/n TeilnehmerIn kontrollieren). Wichtig ist auch der Altersaspekt.
Zu 3. Ein Team muß bei Verstößen handeln. Dies muß auf die Alterstufe und die "Tat" abgestimmt sein. (Pädagogischer Hinweis: Drohe niemals mit etwas, das nicht eingehalten werden kann!)

Handlungsvorschlag in Konfliktfällen:
Grundsätzlich: Es geht hier um schwerwiegende Konfliktfälle (massiver Alkoholkonsum, schwerwiegende Regelverletzungen), aber z.B. nicht um einfaches Stören in der Gruppenstunde.

  1. Einzelgespräch eines/r TeamerIn mit dem Gruppenmitglied. Die/der TeamerIn sollte ein gutes persönliches Verhältnis mit dem Mitglied haben. Die/der TeamerIn muß dem Team "Bericht" erstatten.
  2. "Vorladung" vor das gesamte Team. Dies Maßnahme darf nur bei Regelverstößen (Nachtruhe, Alkoholverbot etc.) eingesetzt werden, aber auf keinen Fall bei persönlichen Problemen, die vor einem Team den Teilnehmer, die Teilnehmerin bloßstellen könnten.
  3. "Bericht" (persönlich mündlich, telefonisch etc.) an die Eltern. Den Eltern danach Gelegenheit geben, alleine mit ihrem Sohn/ihrer Tocher zu sprechen. Bei diesen drastischen Maßnahmen ist auch die Hinzuziehung des Verbandsleiters (Pastoren) wichtig. Eventuell ist auch die Abstimmung der Maßnahmen vorher im Mitarbeiterkreis zu erörtern.
  4. Ausschluß des Gruppenmitgliedes aus der Gruppe. Benachrichtigung der Eltern über diese Entscheidung. Dieses auch nur in Zusammenarbeit mit dem Verbandsleiter.

Straßenverkehr: Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Fahrräder. Ab 15 Personen darf eine Gruppe paarweise nebeneinander fahren. (Vorher die Straßen abfahren, Gefahrenpunkte möchlichst umgehen, strikt an die Verkehrsregeln halten).

Vorbereitende Maßnahmen vor kleinen Fahrten: Einen Informationszettel mit einer Anmeldung und den "Reisebedingungen" aufsetzen. Name, Adresse, Telefonnummer, Badeerlaubnis, Rechtliche Belehrung usw, Preis, Leistung vom Veranstalter (die Jugendgruppe), Dauer, Zeit, Unterschrift der Eltern, Datum. Dazu: "Die Teilnahmebedingungen des Kirchenkreises Emsland Bentheim" und der "Freizeitpass".


Copyright © Klaus Vogler
Letzte Aktualisierung am 25. November 2004
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